RUHEPOL Mariendom

während des Kulturhauptstadtjahres Linz 09

21.05.2009 - 26.10.2009
Auftraggeber: Hörstadt/Linz 09
Gunar Wilhelm gemeinsam mit Tobias Hagleitner und Richard Steger

Fotos: Gerhard Wörnhörer, Gunar Wilhelm

  

    Der Ruhepol Mariendom befand sich in einer Halle des Linzer Domes, deren Entstehung bemerkenswert ist: 100 Jahre nach der Grundsteinlegung von 1862 sollte zum Andenken an den Domerbauer, Bischof Rudigier, eine fulminante Orgel errichtet werden. 1968 konnte diese Rudigierorgel auch vollendet werden– allerdings um den Preis, dass dazu das riesige außergewöhnliche Rosettenfenster, das den Dom in prächtiges Licht tauchte, regelrecht verbaut werden musste. So entstand ein Raum, der europaweit nicht seinesgleichen hat – die Rudigierhalle: bei zehn mal zehn Metern Grundfläche ragt sie zwanzig Meter in die Höhe. Einzigartig ihre Proportion, einzigartig ihre Akustik, einzigartig ihre Atmosphäre und damit wie für einen weiteren Ruhepol geschaffen. Die merkwürdig abgeschiedene Charakteristik des Raums zwischen nördlichem Rosettenfenster und Hauptorgel wird durch die Möbelausstattung surreal überhöht.
    Die rau verarbeiteten Kabeltrommeln wurden - teils ganz belassen, teils auseinander geschnitten - mit Textilbahnen überzogen und dienten so als Ruheliegen und Liegeteppiche mit natürlicher Leinenoberfläche. Das Trägermaterial aus der Kabelverlegungstechnik ist nicht ohne Symbolgehalt, hat es doch zuvor Stromkabel abgewickelt und kilometerweise Kommunikationsdrähte in die Erde abgerollt bevor es durch die Zweckentfremdung zum Liegeobjekt gewissermaßen selbst zur Ruhe gebracht wird. Die Geometrie der Spulen, ähnlich einem Ohrensessel, ermöglichte ein geschütztes Für-sich-Sein und ungestörte Entspannung, gleichzeitig lenkte sie den Blick nach oben zum Rosettenfenster und zur Lichtinstallation eines Künstlers. Die runde Form stellte eine Beziehung zur Architektur der Halle und der sakralen Umgebung her. Die Liegen wirkten als starke, fremdartige Objekte, die sich gerade deshalb wie selbstverständlich in die Leere des ungewöhnlich hohen Raums einfügten. Mit dieser kleinen Maßnahme war es gelungen den beinahe 50 Jahre ungenutzten außergewöhnlichen Raum erfolgreich der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Text: Linz 09

Please reload